9 gute Gründe für Boltenhagen

Wer früher nach Boltenhangen kam, wollte oft nur eines: schnell weg! Über das Wasser in den Westen! Denn Boltenhagen war der westlichste Strand der DDR, die Grenze nah, die Hoffnung groß. Heute ist Boltenhagen, das Ostseebad zwischen Lübeck und Wismar, ein Ort zum Bleiben. Warum? Zweiküsten hat ein paar gute Gründe versammelt.

 

1. Wo alles begann

Boltenhagen ist eines der ersten See­bäder der Ost­see. Das dritte, um genau zu sein (nach Heili­gen­damm und Travemünde). Es war im Jahr 1803, als Graf von Both­mer aus dem benach­barten Klütz hier den ersten Badekar­ren ins Wass­er schieben ließ. Bald darauf öffneten die Bauern den Badegästen ihre Höfe, quartierten das Vieh raus und Gäste rein. Als das nicht mehr reichte, wur­den Stro­hhüt­ten gebaut: die so genan­nten „Luft­snap­pers“.

Boltenhagen Badekarren im Kurpark

Erin­nerung an die Tage, als man noch über Badekar­ren ins Meer stieg – und die Män­ner Streifen zierten © jes/zweiküsten

Später kamen Hotels und Pen­sio­nen dazu, eine eigene Form der Bäder­ar­chitek­tur zierte bald die Prom­e­nade. Zählte man 1810 ger­ade mal zehn Gäste, waren es Mitte des 19. Jahrhun­derts mehr als 600. Die Frem­den­lis­ten wur­den in den Zeitun­gen veröf­fentlicht: mit Name, Beruf, Kinder etc. Der Bade­touris­mus war erfun­den (der Daten­schutz noch nicht).

2. Die Steilküste

Boltenhagens Steilküste kann sich sehen lassen: Sie ist bis zu 35 Meter hoch und nach Rügens Krei­de­felsen die zwei­thöch­ste Steilküste der deutschen Ost­seeküste. Ein­mal muss man oben ges­tanden und den Blick genossen haben. Bei schönem Wet­ter kann man links weit in die Lübeck­er Bucht bis nach Fehmarn sehen, rechts bis zur Insel Poel. Was für Aus­blicke!

Steilküste von Boltenhagen bei Redewisch zweiküsten

Steilküste von Boltenhagen bei Redewisch © jes/zweiküsten

3. Die Promenaden

Was ein ordentlich­es Ost­see­bad ist, das hat natür­lich eine Prom­e­nade. Boltenhagen hat nicht eine, Boltenhagen hat gle­ich zwei! Sie ver­laufen par­al­lel zueinan­der und sind durch den Küsten­schutzwald in ein grünes Band gebet­tet. Hier kann man her­rlich ent­lang flanieren und die Boltenhagen­er Bäder­ar­chitek­tur studieren. Die ist ein biss­chen weniger mondän, wie man es aus anderen Orten ken­nt, kennze­ich­nend sind offene Veran­den. Inter­es­sant zu wis­sen: Als die Villen ent­standen, gab es die Dünen noch nicht, die Gärten fie­len malerisch ab zum Meer.

Villa Boltenhagen Mittelpromenade

Blick von der Mit­tel­prom­e­nade auf eine der ältesten Villen im Ort © jes/zweiküsten

4. Mit Uschi aufs Meer

Mit dem Fis­chkut­ter in der Früh raus aufs Meer und den frischen Fisch ein­holen – in Boltenhagen muss man kein Fis­ch­er sein, um das zu dür­fen. Uwe Dunkel­mann, dessen Groß­vater schon Fis­ch­er war, nimmt auf seinem Kut­ter Uschi gern Touris­ten mit an Bord. Etwa um 6 Uhr in der Früh geht es los, gut drei Stun­den später wird der Fisch im Hafen aus­ge­laden. Dazwis­chen dür­fen die Aushil­f­s­ma­trosen selb­st ans Steuer und auch ordentlich mit anpack­en, wenn der Fisch aus dem Meer geholt wird. Je nach Jahreszeit sind das Stein­butt, Scholle, Dorsch oder Lachs.

Kutter Uschi in Boltenhagen in Tarnewitz

Im Fis­cher­hafen von Tarnewitz liegt die Uschi und wartet auf Frühauf­ste­her © jes/zweiküsten

5. Hier haben sogar die Mülleimer ein Seepferdchen

Wer schwim­men kann, ist ein­deutig im Vorteil, denn der fast fünf Kilo­me­ter lange fein­sandi­ge Strand von Boltenhagen läd ein zum Plan­schen und Schwim­men. Wem das zu ober­fläch­lich ist, der geht in die Tauch­schule in der Weißen Wiek und lernt, wie man unter Wass­er atmen und gleit­en kann. Von dort ist es nur ein Katzen­sprung zum kleinen Fis­cherei­hafen in Tarnewitz. Die roten Häuschen der Fis­ch­er sind ein Hin­guck­er — die Mülleimer mit Seep­fer­d­chen erst recht.

Mülleimer mit Seepferdchen in Boltenhagen

Mülleimer mit Seep­fer­d­chen am Fis­cher­hafen in Tarnewitz © jes/zweiküsten

6. Golfen ohne Schi Schi

Golfen ohne Handy­cap, Platzreife und Dress­code – das ist Swingolf, gern auch „Bauern­golf“ genan­nt. Die Bälle sind größer als beim nor­malen Golf und das Loch mit 30 Zen­time­tern Durchmess­er so groß, dass selb­st Dum­mys es kaum ver­fehlen. Auch reicht ein Uni­ver­salschläger, um den gesamten Platz zu bespie­len. Das Schöne an der Swingolf-Anlage in Redewisch: Man schwingt mit Meerblick. Und am Ende warten die vom Chef höchst selb­st geback­e­nen Torten im Café des Platzes auf den Swingolfer.

Swingolf Boltenhagen Redewisch

Den Schläger schwin­gen und dabei auf das Meer guck­en – hat schon was © jes/zweiküsten

7. Das Café Lindquist

Ein eigenes Café, das war ihr Traum! Über Jahre sam­melte die gebür­tige Finnin Pia Lindquist auf den Reisen mit ihrem Mann (ein Boltenhagen­er!) alles, was sie inspiri­erte: Rezepte, Bilder, schöne Dinge. Ein dick­er Ord­ner kam da zusam­men. Im Mai 2017 hat sie ihr Café Lindquist an der Strand­prom­e­nade eröffnet. Wie die Inhab­erin selb­st ist es durch und durch skan­di­navisch gesprägt: der Ofen schwedisch, die Lam­p­en dänisch, der Kissenbezug finnisch (Marik­mekko!). „Einen Ort der Entschle­u­ni­gung“ wollte sie schaf­fen und wün­scht sich, dass sich dessen Gelassen­heit auf die Gäste überträgt. Bei den leck­eren haus­gemacht­en Kuchen und Snacks tut sie das ganz von selb­st.

Pia Lindquist-Franz vom Café Lindquist in Boltenhagen

Pia Lindquist-Franz vom Café Lindquist in Boltenhagen © jes/zweiküsten

8. Fast noch ein Geheimtipp

Sehr bekan­nt ist Boltenhagen nicht. Bolten-was? Wer sein Urlaub­sziel im Fre­un­deskreis erwäh­nt, muss oft was erk­lären. Aber das hat natür­lich auch sein Gutes: Wenn in der Hoch­sai­son die großen Ferienorte rest­los aus­ge­bucht sind, hat man in Boltenhagen noch Chan­cen. Auch die Preise sind zum Teil noch in Ord­nung.

Villa Boltenhagen

Häuser wie diese prä­gen das Bild von Boltenhagen © jes/zweiküsten

9. Tun, was einst verboten war!

Als west­lich­ster Strand der DDR zog Boltenhagen viele an, die das Land ver­lassen woll­ten. Sieben Men­schen star­ben beim Ver­such, über die Ost­see zu flücht­en, mehr als 200 wur­den festgenom­men. Bedrück­end sind die Gedanken an diese Zeit. Aber: Nur nicht davon run­terziehen lassen! Stattdessen mit Freude das tun, was früher ver­boten war: Mit der Luft­ma­tratze so weit raus­pad­deln, wie man mag (die poten­tiellen Fluchthelfer waren zu DDR-Zeit­en näm­lich kom­plett ver­boten) und nach Son­nenun­ter­gang Händ­chen­hal­tend am Strand spazieren (auch das war früher nicht erlaubt).

Gedenkstein DDR-Flüchtlinge Seebrücke Boltenhagen

„Über der Ost­see leuchtete für uns das Licht der Frei­heit. Den DDR-Flüchtlin­gen 1961–1989“, ste­ht auf dem Gedenkstein an der See­brücke © jes/zweiküsten

 

Alle hier erwähnten Orte auf der Karte

 

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