Das Geheimnis des Weststrands

Im Schönheitswettbewerb der Strände macht der Weststrand auf dem Darß regelmäßig das Rennen. Arte kürte ihn sogar zu einem der zehn schönsten Strände der Welt. Warum eigentlich? Was macht den Strand zur Schönheit? Die Entdeckung eines Beauty-Geheimnisses.

 

Er kann ein­fach alles tra­gen. Den umgekippten Baum, der seine Wurzeln krak­en­gle­ich gen Him­mel streckt. Den wirren Busch, der sich ans Ufer krallt, als wüsste er nicht, wohin mit sich. Die Kiefer, die den Kopf fast in den Sand steckt, so sehr duckt sie sich vor dem Wind. Nein, diesen Strand entstellt wirk­lich nichts. Im Gegen­teil, ver­meintliche Makel machen ihn nur inter­es­san­ter wie der Schön­heits­fleck das Gesicht eines Men­schen.

Der West­strand ist eine natür­liche Schön­heit, wie sie natür­lich­er kaum sein kann – und hält sich kon­se­quent alles vom Leib, was kün­stlich ist. Am Wes­trand gibt es keinen Kiosk, keine Surf­schule, kein Hotel. Nur Sträuch­er und Bäume. Manch Strandbe­such­er baut sich aus den Ästen einen Wind­fang oder einen Wäschestän­der. Ein ander­er span­nt sich eine Hänge­mat­te zwis­chen zwei Wind­flüchter. Auch Autos hält der Strand auf Abstand. Wer hier­her will, muss Fahrrad fahren – oder eben laufen.

Baumkrake und selbst gebaute Strandhütte am Weststrand auf dem Darss

Baumkrake im Sand (links), Strand­hütte Marke Eigen­bau (rechts). © jes/zweikuesten

 

In Ahren­shoop ging es los, am Strand ent­lang den Darß hin­auf, weit­er, immer weit­er. Je nördlich­er wir kamen, desto wilder gab sich der Strand. Stämme, Zweige, Steine und Meer­gras­büschel bilde­ten span­nende Kom­po­si­tio­nen, die im Gesamt­bild fast zu har­monisch wirken, um zufäl­lig zusam­mengewe­ht wor­den zu sein. Wir haben den West­wind in Ver­dacht, heim­lich Styl­ist zu spie­len und emsig hier und da herumzuzupfen, bis alles per­fekt sitzt.

Strandspaziergang Weststrand Darss

Zum Glück ist der West­strand nicht nur schön, son­dern auch sehr lang – ewig kön­nte man hier wan­dern und staunen. © jes/zweikuesten

 

Ewig kön­nten wir wan­dern und staunen. Und zum Glück ist der Strand lang genug, dass man seine Schön­heit ganz auskosten, das wilde Ele­ment auf einen über­sprin­gen kann. 14 Kilo­me­ter misst der West­strand von Ahren­shoop bis zum Darßer Ort, den Nordzipfel der Hal­binsel, die – natür­lich – von einem Leucht­turm gekrönt wird. Seit 1849 ist er in Betrieb, rechter­hand lugt er aus den Dünen her­vor.

 

Das Meer atmet mit

Doch wir wollen nicht weit­er. Wir wollen Yoga. Yoga ist am Strand natür­lich immer eine gute Idee, beson­ders aber hier. Denn was immer der Yogi sucht, dieser Strand hat es schon gefun­den. Ganz im Gle­ichgewicht scheint die Natur. Und wenn die Wellen auf den Sand rollen, zeigen sie dabei eine Kraft, von der viele Kör­p­er nur träu­men kön­nen. Nun gut, der ein oder andere Baum hat seine Bal­ance ver­loren und sich in den Sand gleit­en lassen. Aber auch das gehört zum Yoga: das Fall­en gelassen­er zu nehmen.

 

Yoga am Weststrand auf dem Darss

Einat­men, ausat­men: Welle geht, Welle kommt © jes/zweikuesten

 

Yoga am Strand braucht nicht viel. Der platt getretene Sand erset­zt die Yoga­mat­te. Das Meeres­rauschen die Med­i­ta­tion­s­musik. Und wer braucht aro­ma­tis­che Räuch­er­stäbchen, wenn er den Duft der See in der Nase hat? Es gibt keinen besseren Yog­a­raum als den Strand, find­en wir. Erwartungsvoll heftet sich unser Blick an den Hor­i­zont.

Dann geht es los. Die Yoga-Übun­gen (Asanas genan­nt), son­st zu Hause auf der Mat­te geübt, wer­den nach und nach abgerufen – und hier ganz beson­ders tief erfahren. Das Meer, so scheint es, atmet mit: einat­men, ausat­men, Welle geht, Welle kommt… Wir kön­nen uns daran hal­ten wie an den Yogalehrer im Stu­dio, der mit Nach­druck in sein Mikro­fon atmet, damit es auch in der let­zten Rei­he gehört wird.

 

Die Ostsee am Weststrand auf dem Darß

Allein der Blick auf das Meer entspan­nt © jes/zweikuesten

 

Nach der let­zten Abfolge gehen wir in die Entspan­nung­shal­tung und kom­men mit dem Blick auf das Meer völ­lig zur Ruhe. Wir spüren uns: auf dem Strand, am Meer, in unserem Kör­p­er. Irgend­wann ist es Zeit, uns zu erheben und den Rück­weg antreten.

 

Es dem Windflüchter gleich tun

Auf dem Weg bleibt der Blick in den Ästen eines Wind­flüchters hän­gen, jenen von Wind und Wet­ter ver­formten Baumge­bilden, die so typ­isch sind für die stur­mum­toste Küste. Sein Stamm neigt sich in gefährlich­er Schräglage zum Boden, doch er kippt nicht um. Er hat seine Bal­ance im Unmöglichen gefun­den – welche per­fek­te Yoga-Pose. Unweiger­lich fra­gen wir uns, warum es noch keine Asana namens Wind­flüchter gibt – und pro­bieren die gle­ich mal aus.

jes.

Am Weststrand auf dem Darss

Am West­strand auf dem Darß © jes/zweiküsten

Weit­ere schöne Ost­seestrände ent­deck­en? Hier ist unsere Auswahl der 10 besten.

Mehr Natur­erleb­nisse auf der Hal­binsel Fis­ch­land-Darß-Zingst gefäl­lig? Bitte sehr.

 

Buchtipp:

An den West­strand führt natür­lich auch unser neues Buch 52 kleine und große Eska­paden in Meck­len­burg-Vor­pom­mern an der Ost­see: Ab nach draußen! (DuMont Eska­paden). Wenn Ihr das Buch hier bei Ama­zon bestellen wollt, unter­stützt Ihr nicht nur die Autorin, son­dern auch dieses Por­tal mit ein paar Cents, am Kauf­preis ändert sich aber nichts. Mit etwas Glück kön­nt Ihr hier aber auch ein Exem­plar gewin­nen.