Binz auf Rügen – 7 Gründe dafür und 3 dagegen

Fünf Kilometer lang und bis zu 50 Meter breit ist der Strand von Binz – und liefert damit das vielleicht beste Argument für einen Trip in das größte Seebad von Rügen. Doch es gibt natürlich viele weitere gute Gründe für einen Urlaub in Binz. Und einige wenige dagegen.


1
. Sonne zum Frühstück

In Binz fängt schon der Tag gut an. Denn der Strand schaut nach Osten und damit der Mor­gen­sonne ins Gesicht. Man kann also mit der ersten Kaf­fee­tasse in der Hand der Sonne dabei zuschauen, wie sie am Hor­i­zont dem Meer entsteigt. Wer kein Meerblickz­im­mer in der ersten Rei­he gebucht und das Spek­takel vor dem Fen­ster hat, geht früh an den Strand und set­zt sich in den Sand. Wer nicht sitzen will, macht etwas Yoga. Der Son­nen­gruß bietet sich hier natür­lich an. Und jedes Mal, wenn sich dabei die Arme gen Him­mel schieben, ist auch die Sonne ein Stück höher. Als wür­den die Bewe­gun­gen des eige­nen Kör­pers wie eine Kurbel wirken, die den Feuer­ball an den Him­mel hievt. Danach am besten die Prom­e­nade ent­lang spazieren, denn: siehe 2.

Sonnenaufgang Binz Rügen Kurplatz Kreidefelsen

Auch ein schön­er Ort für den Son­nenauf­gang: der Kur­platz von Binz © jes/zweiküsten

 

2. Die weißen Villen von Binz

Der Mor­gen in Binz, er gehört den weißen Villen. Denn kaum dass der Tag begin­nt, strahlen sie schon. Wahre Schön­heit­en halt, sie brauchen keine Kos­metik. Nur ein biss­chen Mor­gen­sonne, die sie in ein san­ftes Licht taucht. Und durch ver­spielte Verzierun­gen span­nende Schat­ten wirft. Am besten macht man sich in aller Frühe auf, denn dann taucht die Mor­gen­sonne die Bäder­ar­chitek­tur ins per­fek­te Licht, während die leere Prom­e­nade Raum lässt für Zeitreisen in Gedanken…

Villa Baltic und Villa Heiderose an der Promenade von Binz auf Rügen

Vil­la Baltic und Vil­la Hei­derose an der Prom­e­nade von Binz © jes/zweiküsten

Tipp: Am Haus des Gastes starten regelmäßig Führun­gen zur Bäder­ar­chitek­tur des Ortes. Wer lieber alleine loszieht, sollte das Handy nicht vergessen. Denn an vie­len Häusern kommt man über einen QR-Code an Infor­ma­tio­nen zum Haus und sein­er Geschichte.

 

3. Ulrich Müther!

Ulrich Müther hat einen ganz beson­deren Schwung in die DDR-Architek­tur gebracht: Berühmt sind seine hauchdün­nen, fan­tastisch gekrümmten Betondäch­er, mit denen er großflächig Glas­baut­en bedeck­te. Zum Beispiel den Teepott in Warnemünde oder die Ost­seep­er­le in Glowe. In Binz wurde der „Land­baumeis­ter von Rügen“ 1934 geboren, in Binz ist er 2007 gestor­ben – und in Binz ste­ht mit seinem Ret­tungsturm eine wahre Ikone der mod­er­nen Küste­nar­chitek­tur. Einen guten Blick darauf hat man übri­gens vom Müther­platz direkt an der Prom­e­nade.

Nachtaufnahme vom Müther Turm in BInz mit Mirko Boy

Nach­tauf­nahme vom Müther-Turm in Binz © jes/zweiküsten

Tipp: Für futur­is­tis­che Nach­tauf­nah­men wie diese (siehe Bild) eine Foto­tour mit Mirko Boy buchen. Jeden Fre­itagabend zieht der los und set­zt dann auch Müthers Ufo mit ein­er mehr­far­bigen Taschen­lampe in Szene. Kam­era auf das Sta­tiv schrauben, lange Belich­tungszeit ein­stellen – und staunen.

 

4. Binz hat nicht nur eine Seeseite, sondern zwei!

Oh, wie schön ist die See­seite von Binz! Fre­undlich schwappt das Meer an den bre­it­en Sand­strand. Stolz ste­hen die prächtig­sten Villen in der ersten Rei­he. Foto­gen hockt Müthers Ufo in den Dünen. Keine Frage, hier gibt es soviel zu sehen, dass man der Prom­e­nade samt See­brücke kaum den Rück­en kehren mag. Wer das aber trotz­dem macht, stellt kurz darauf fest: Binz hat nicht nur eine See­seite, son­dern zwei!

Park der Sinne Binz auf rügen

Am Schmachter See – die etwas andere See­brücke von Binz © jes/zweiküsten

Die zweite liegt auf der anderen Seite des Ortes, am Schmachter See. Im Jahr 2003 hat sich Binz mit dem „Park der Sinne“ die Rück­seite poliert. Als Außen­stan­dort der Inter­na­tionalen Garte­nausstel­lung ent­stand eine weitläu­fige Park- und Gar­te­nan­lage mit Ter­rassen und Bänken, mit Blu­menra­bat­ten und ver­spiel­ten Skulp­turen. Laven­del duftet, Fontä­nen plätsch­ern, eine hüb­sche Holzbrücke führt ein Stück auf den See, die große Schwest­er am Meer imi­tierend.

Tipp: Der Schmachter See ist der per­fek­te Ort für einen Sun­down­er. Denn die Sonne geht direkt über dem Wass­er hin­ter dem Wald unter und taucht die Szener­ie ins schön­ste Licht.

 

5. Zeitreise auf Schienen

Wer glaubt, his­torische Dampflocks wären nur was für sehr junge oder sehr alte Men­schen, wird hier schnell eines besseren belehrt. Denn wenn sich die polierte schwarze-rote Lock tutend in den Binz­er Kleinbbahn­hof schnaubt und dabei so viel Dampf wie nos­tal­gis­chen Charme ver­bre­it­et, ist das ohne Frage ein ergreifend­er Moment. Wer ein­steigt, reist auf beson­dere Art. Mit etwas Glück hängt ein Büf­fet­wag­gon dran. Dann unbe­d­ingt dort Platz nehmen – auch wenn man sich damit zum Verzehr verpflichtet und der Cap­pucchi­no für 3 Euro aus der Tüte kommt, das Ambi­ente ist es alle­mal wert.

Rasender Roland auf Rügen Büfettwagen

Als wäre man in ein­er Filmkulisse gelandet: Speisewa­gen im Rasenden Roland © jes/zweiküsten

Der Rasende Roland ist nicht nur eine Attrak­tion, son­dern auch prak­tis­ches Verkehrsmit­tel: Mit ihm kommt man etwa über Baabe nach Göhren oder über Put­bus nach Lauter­bach. Die 24 Kilo­me­ter lange Strecke ist übri­gens das, was vom einst 100 Kilo­me­ter lan­gen Strecken­net­zt der Rügen­schen Klein­bahn übrig blieb und auch das erste, das über­haupt gebaut wurde: Am 22. Juli 1895 wurde die Strecke zwis­chen Binz und Put­bus eröffnet.

 

6. Der Wald ist ganz nah

Gle­ich hin­ter Binz liegt die Granitz, das hügelige Waldge­bi­et mit rosarotem Jagdschloss, mys­tis­chem See und zauber­haften Meerblick­en. Wem es am Strand zu voll ist, find­et hier im Schat­ten hoher Buchen etwas Abküh­lung und Muße. Das Jagdschloss thront auf der höch­sten Stelle der Granitz, dem 107 Meter hohen Tem­pel­berg. Und wer die gus­seis­erne Wen­del­treppe im Turm bis nach oben schafft, kann bei gutem Wet­ter von dort die gesamte Insel überblick­en.

Granitz Binz Rügen

Wald­lauf mit Meerblick: auf dem Hochufer­weg der Granitz © jes/zweiküsten

 

 

7. Ein Herz für Gäste

Wir haben ja schon viele Touri-Infos gese­hen. Diese hier aber bietet weit mehr als Touris­ten und Infor­ma­tio­nen. Neben dem oblig­a­torischen Infothre­sen mit Fly­er-Flut und Sou­venirs in der Vit­rine gibt es hier aller­lei Eck­en und Nis­chen, um Regen­t­age auszusitzen, Pläne zu schmieden oder kurz der Hitze am Strand zu ent­fliegen. So kann man im oberen Geschoss auf gemütlichen Ses­seln bei ein­er Tasse Tee in Tageszeitun­gen blät­tern. Im Erdgeschoss kön­nen die Kleinen im Bälle­bad toben und Inter­netjunkies an Rech­n­ern sur­fen. Span­nende Ausstel­lun­gen, aktuell eine über Ulrich Müther (siehe auch Punkt 3), gibt es auch. „Haus des Gastes“ heißt die Touri-Info in Binz. Und das völ­lig zu Recht.

Haus des Gastes Binz auf Rügen

Nein, das ist nicht das neue Kaf­fee­haus in Binz, son­dern die obere Etage vom Haus des Gastes © jes/zweiküsten

 

 

Was eventuell gegen Binz spricht:

1. Hier wird geklotzt, nicht gekleckert

Wer gern Sand­bur­gen baut, find­et dafür am Strand zwar reich­lich Sand, kön­nte aber den­noch ein Prob­lem haben. In dieser Ecke Rügens wird tra­di­tionell näm­lich eher gek­lotzt statt gek­leck­ert. Man muss nur rechts die Prom­e­nade runter laufen und schon zieht sich der mon­ströse Bau der Nazis die Küste von Pro­ra ent­lang (über 4,5 Kilo­me­ter lang!). Links in Binz wurde im Som­mer 2019 die größte Sand­burg der Welt gebaut (18 Meter hoch!). Und irgend­wo dazwis­chen sitzt man dann mit Eimerchen und Schaufelchen im Sand – und kommt sich ziem­lich klein vor. Bloß nicht ein­schüchtern lassen! Ein­fach machen. Wie? Das ste­ht hier.

Die größte Sandburg der Welt stand im Sommer 2019 in Binz

Die größte Sand­burg der Welt ent­stand im Som­mer 2019 in Binz © Bian­ca Lohr

 

2. Es ist unübersichtlich

Zahlre­iche Restau­rants lock­en die Urlauber an ihre Tis­che. Wer sich nicht ausken­nt, lan­det schnell mal da, wo es ihm nicht schmeckt. Wie über­all, wo viele Touris­ten sind, ist oft schw­er zu unter­schei­den, welch­es Restau­rant sich lohnt und welch­es nicht. Nichts falsch machen kann man zumin­d­est hier: in der Strand­halle und im Boot­shaus, in der Brasserie Loev sowie im Freustil. Und ein klein­er Geheimtipp am Rande: in der Wein­hand­lung Monte Vino gibt es leckere kleine Gerichte – und gute Argu­mente dafür, schon Mit­tags einen edlen Tropfen zu kosten. Ihr habt noch weit­ere Tipps für Binz? Dann nutzt gern die Kom­mentare für Empfehlun­gen!

Bootshaus Binz auf Rügen Arkona Strandhotels

Im Boot­shaus reicht der „Fis­chteller für 2“ auf jeden Fall auch für drei © jes/zweikuesten

 

3. Es ist voll

„Wenn Sie es irgend ein­richt­en kön­nten, kom­men Sie nicht zur Hoch­sai­son nach Binz, denn dann ist es auf der Strand­prom­e­nade so voll wie beim Som­mer­schlussverkauf“, mah­nt Hol­ger Teschke in sein­er Gebrauch­san­weisung für Rügen und Hid­densee, „auch im Früh­jahr oder Herb­st kann man hier noch sehen und gese­hen wer­den, falls Sie wert darauf leg­en.“ Doch man muss sich nicht seufzend dem Hype ergeben, son­dern kann den Massen auch schnell entkom­men (siehe etwa oben unter 4. und 6.). Und selb­st an der trube­li­gen Prom­e­nade gibt es Momente wie diese, wo man sich fast allein wäh­nt mit sich und dem Meer und Binz:

 

Buchtipps

Nach Binz führt natür­lich auch unser neuer Reise­führer 52 kleinen und großen Eska­paden in Meck­len­burg-Vor­pom­mern an der Ost­see: Ab nach draußen! (DuMont Eska­paden). Wenn Ihr das Buch hier bei Ama­zon bestellen wollt, unter­stützt Ihr nicht nur die Autorin, son­dern auch dieses Por­tal mit ein paar Cents, am Kauf­preis ändert sich aber nichts. Mit etwas Glück kön­nt Ihr hier aber auch ein Exem­plar gewin­nen.

 

 

Nur an Rügen inter­essiert? Dann greift zu unseren 52 kleine & große Eska­paden auf und um Rügen: Ab nach draußen! (DuMont Eska­paden) – unserem ersten Buch bei Dumont Reise. Was euch darin alles erwartet, lest ihr hier. Zur Bestel­lung bei Ama­zon geht es hier oder per Klick auf das Buch­cov­er.

 

 

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